Solidarität mit Ausgegrenzten
Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Christian Ude fand am 12. Juni 2010 auf dem Münchner Stachus erneut die „Nacht der Solidarität“ statt.
Das Thema HIV/Aids (wieder) ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen und Verbundenheit mit infizierten und erkrankten Menschen zu zeigen, ist das Ziel der Veranstaltung. Diese seit Jahren durchgeführte Aktion wird von verschiedenen kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppen organisiert, die dem Aktionsbündnis gegen Aids angehören – darunter auch Mission EineWelt.
Mit einer Rede des Stadtrats Thomas Niederbühl, der dabei auch Grußworte des Oberbürgermeisters verlas, wurde die Veranstaltung gegen 18 Uhr eröffnet. Dann konnten sich die Passantinnen und Passanten an verschiedenen Infoständen zu HIV und Aids in Deutschland und in anderen Teilen der Welt informieren. Von den beiden Moderatoren wurde immer wieder dazu aufgerufen, sich mit einer Unterschrift der Kampagne „In9Monaten“ anzuschließen. Mit dieser bundesweiten Aktion des Aktionsbündnisses gegen Aids wird daran erinnert, dass sich jährlich weltweit rund 400.000 neugeborene Kinder bei der Geburt oder beim Stillen mit dem HI-Virus der Mutter anstecken. Durch eine geeignete Behandlung ließe sich das Infektionsrisiko auf unter 2 Prozent senken (weitere Informationen unter www.in9Monaten.de).
Eng wurde es immer dann, wenn die Sambagruppe „Sole Luna“ auftrat. Viele Menschen blieben stehen, um dem ansteckenden Sambarhythmus zuzuhören und dazu zu tanzen. Etwas leisere Töne schlug der A-Cappella-Chor „Herrenbesuch“ an. Viele Blicke zog „Der Mensch in der Kugel“ des Aktionsbündnisses auf sich. Ein durchsichtiger Wasserball mit rund 2,50 Metern Durchmesser rollte immer wieder über den Stachus. Das Besondere daran war der Mensch im Inneren. Diese Aktion sollte symbolisieren, dass HIV-positive Menschen zwar sichtbar unter uns leben, aber doch häufig sozial isoliert sind. Aus einer Gruppe von Schülerinnen, Schülern und Studierenden ließen sich einige Mutige in den Ball einschließen und liefen damit über den Platz.
Als es später dunkel wurde, stellten Passantinnen und Passanten rote Lichter, die sie zuvor gegen eine Spende an den Infoständen erworben hatten, zu einer großen Aidsschleife auf. Die Atmosphäre war ergreifend, als im Schein der Lichter Texte von betroffenen Menschen vorgelesen wurden. Um 22 Uhr hatte der aufkommende Wind die Kerzen ausgeblasen. Die Informationsstände waren schon fast abgebaut, als es anfing zu regnen. Eine fröhliche und gleichzeitig nachdenklich machende „Nacht der Solidarität“ war zu Ende. Auch wenn sich kein Ergebnis dieser Aktion messen lässt, klingt doch der Satz eines Mannes nach, der sich nachmittags mit den Mitarbeitenden unterhalten hatte und dabei zu erkennen gab, dass auch er HIV-positiv sei: „Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer Arbeit“, sagte er, „und hoffe, dass den Menschen in Zukunft besser geholfen wird.“ Müde fuhren die Mitwirkenden nach Hause und waren sich sicher, dass es 2011 auf jeden Fall wieder eine „Nacht der Solidarität“ in München geben wird.
Manfred Kurth
eingestellt am 23. Juli 2010
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